Der alte Mann und sein Pferd

Leider ist es mir letzte Woche aus zeitlichen Gründen nicht gelungen, einen Blogartikel zu schreiben. Ich war auf einer Fortbildung, die wirklich sehr gut war und auf der ich vieles über Hochsensibilität und auch über mich selbst lernen konnte.

Eine Geschichte, die uns der Dozent vorlas, ging mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Ihr merkt schon, ich mag Geschichten:-) Ja, das mag sein, aber das tolle ist doch, das man aus Geschichten, ob sie nun wahr sind oder nicht, (fast) immer etwas lernen und sie auf das „echte Leben“ übertragen kann.So auch bei dieser, die ich nun mit euch teilen und im Anschluss noch ein paar Worte darüber verlieren möchte.

Hier nun also die Geschichte:


Der alte Mann und sein Pferd

Ein alter Mann lebte in einem Dorf, sehr arm, aber selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes weißes Pferd.

Die Könige boten phantastische Summen für das Pferd, aber der Mann sagte dann: „Dieses Pferd ist für mich kein Pferd, sondern ein Freund. Und wie könnte man seinen eigenen Freund verkaufen?“ Der Mann war arm, aber sein Pferd verkaufte er nie.

Eines Morgens fand er sein Pferd nicht im Stall. Das ganze Dorf versammelte sich, und die Leute sagten: „Du dummer alter Mann. Wir haben gewusst, dass das Pferd eines Tages gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, es zu verkaufen. Welch ein Unglück! Welch ein Unglück! Nein!“

Der alte Mann sagte: „Geht nicht so weit, das zu sagen. Sagt einfach: ‚Das Pferd ist nicht im Stall‘. Ob es ein Unglück ist oder ein Segen, weiß ich nicht.“ Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten schon immer gewusst, dass er ein bisschen verrückt war.

Aber am nächsten Tag kehrte das Pferd plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte auch noch ein Dutzend wilder Pferde mit. Wieder versammelten sich die Leute, und sie sagten: „Alter Mann, du hattest recht. Es war kein Unglück, es hat sich tatsächlich als ein Segen erwiesen.“

Der Alte entgegnete: „Wieder geht ihr zu weit. Sagt einfach: ‚Das Pferd ist zurück.‘ Wer weiß, ob das ein Segen ist oder nicht?“

Der alte Mann hatte einen einzigen Sohn, der begann, die Wildpferde zu trainieren. Schon eine Woche später fiel er von einem Pferd herunter und brach sich die Beine.

Wieder versammelten sich die Leute. Sie sagten: „Wieder hattest du recht! Es war ein Unglück. Dein einziger Sohn kann nun seine Beine nicht mehr gebrauchen, und er war die einzige Stütze deines Alters. Jetzt bist du ärmer als je zuvor. So ein Unglück! So ein Unglück! Nein!“

Der Alte antwortete: „Geht nicht so weit. Sagt nur, dass mein Sohn sich die Beine gebrochen hat. Niemand weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Das Leben kommt in Fragmenten, und mehr bekommt ihr nie zu sehen.“

Es ergab sich, dass das Land nach ein paar Wochen einen Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er verkrüppelt war.

Der ganze Ort war von Klagen und Wehgeschrei erfüllt, weil dieser Krieg nicht zu gewinnen war und man wusste, dass die meisten jungen Männer nicht nach Hause zurückkehren würden.

Sie kamen zu dem alten Mann und sagten: „Du hattest recht, alter Mann – es hat sich nicht als Segen erwiesen. Dein Sohn ist zwar verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir. Unsere Söhne sind für immer fort.“

Der alte Mann antwortete wieder: „Ihr hört nicht auf zu urteilen. Niemand weiß! Sagt nur, dass man eure Söhne in die Armee eingezogen hat und dass mein Sohn nicht eingezogen wurde. Doch nur Gott, der das Ganze kennt, weiß, ob dies ein Segen oder ein Unglück ist.“


Die Geschichte ist schon sehr alt und soll eine von Laotses Lieblingsgeschichten gewesen sein. Laotse war ein legendärer chinesischer Philosoph, der ca. im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben soll.
Auch wenn diese Geschichte sehr alt ist, so passt sie doch perfekt in die heutige Zeit. Wir machen uns das Leben selber schwer, indem wir Dinge, die passieren, beurteilen und uns dadurch selbst herunterziehen. Meist urteilen wir nämlich eher negativ über bestimmte Ereignisse oder auch Menschen, da wir mit den unterschiedlichsten negativen Glaubenssätzen und Denkmustern durch die Welt gehen und dies meist unbewusst. Psychologische Untersuchungen ergaben, dass ein Großteil der Menschen tagtäglich nur 10% Bewusstsein haben über das was sie denken und tun, die restlichen 90% laufen im Unterbewusstsein ab (Das sogenannte „Eisberg-Prinzip“). Wir sind sozusagen – hart ausgedrückt – Roboter, die durch ihre Erziehung und erlerntes und abgeschautes Verhalten unbewusst gesteuert sind.
Hast du dich schonmal selbst dabei beobachtet, wie du durch den Tag gehst und mit deinem Verstand und Denken Dinge kommentierst und unbewusst in „Schubladen“ einsortierst?
„Der ist aber dick!“, „Schon wieder passiert mir so was, ich hab aber auch immer ein Pech!“, „Die Welt ist schlecht!“, „Die Menschen sind von Grund auf böse!“, „Was für ein Mistwetter!“ und so weiter und sofort… Es ist fast unmöglich, Dinge die passieren oder uns widerfahren, einfach nur wahrzunehmen und zu akzeptieren. Es sei denn, wir werden uns dieser negativen selbstschädigenden Gedanken bewusst, indem wir sie beobachten. Diese Gedanken sind zu nichts nütze, außer uns das Leben selber schwer zu machen und uns immer weiter herunter zu ziehen. Wir verpassen das Leben, das gerade jetzt um uns herum passiert, indem wir uns in unsere Gedankenwelt verirren, in Vergangenheit und Zukunft abschweifen. Wir malen uns Horrorszenarien aus, überlegen uns, was alles passieren könnte, wenn… und stehen uns damit selbst im Weg. Letztendlich kann niemand die Vergangenheit rückgängig machen oder die Zukunft vorhersehen.
Aber ich kann hier und jetzt mein bestes geben und schauen was passiert. Und das ist es eben: Das Leben passiert einfach. Wir versuchen immer die Kotrolle zu behalten, immer schön die Zügel in der Hand halten. Ich muss doch Geld verdienen, ich muss doch mit meinem Partner zusammenbleiben, ich muss mich doch darum kümmern… Letztendlich ist jeder für sich selbst verantwortlich, so hart das auch klingen mag.

Aber es ist doch so: Es ist mein Leben, und dieses Leben möchte ich so leben, wie es sich für mich richtig anfühlt und nicht, wie andere es gerne hätten. Ich muss es nehmen, wie es kommt und lernen, mit Widrigkeiten umzugehen und das beste daraus zu machen, sonst gehe ich irgendwann unter. Ich muss lernen, wieder im Hier und Jetzt zu leben und alte Verhaltensmuster abzulegen, sonst lebe ich nur noch in Sorge, was irgendwann mal passieren könnte. Auch ich habe in den vergangenen Wochen immer wieder beobachtet, wie ich mich in Zukunfttssorgen und existenziellen Ängsten verloren habe. Ich habe mich mit dieser Internetpräsenz Anfang diesen Jahres selbstständig gemacht, und keiner weiß, ob ich damit mal irgendwann meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Aber ich weiß, dass es sich richtig anfühlt. Ich weiß mittlerweile, dass es meine Herzensangelegenheit ist, hochsensiblen Menschen dabei zu helfen, ihr Potential zu erkennen und zu entfalten. Mir ist es egal was andere darüber denken, ob sie mich für ein Weichei halten, weil ich mich selbst als hochsensible Person „geoutet“ habe oder sonst was. Ich mache das hier, weil ich es will und mir von niemandem mehr vorschreiben lasse, was ich tun soll oder wie ich zu sein habe. Ich habe gelernt mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Wo dieser Weg mich hinführt kann ich nicht sagen. Vielleicht werde ich scheitern, aber dann wird sich eine andere Tür öffnen und ich werde wissen was zu tun ist. Ich lerne, dem Leben – und somit Gott – zu Vertrauen. Es so anzunehmen wie es kommt, denn ich habe sowieso nichts in der Hand. Ich versuche mein Bestes zu geben, aber auch auf mich zu hören wenn ich merke, dass ich eine Pause brauche.

Ich möchte dich ermutigen, Dinge zu hinterfragen, auf dich und deine Bedürfnisse zu hören und auch mal das ein oder andere Risiko einzugehen. Lebe dein Leben, so wie es zu dir passt, dann wird sich alles andere von selbst ergeben. Trau dich, du selbst zu sein und vor allem nimm dich so an wie du bist – jemand hat dich so gemacht und sich dabei etwas gedacht – und bestimmt nichts schlechtes:-)

Wir hochsensiblen Menschen hadern oft mit uns, weil wir nicht ins gesellschaftliche Bild passen, aber das müssen wir auch nicht und ganz ehrlich: Ich will das auch gar nicht mehr! Es ist gut so, wie es ist. Und nur weil alle von der Brücke springen, musst du es ja nicht auch machen;-)
Sei du selbst, finde zu dir zurück und distanziere dich von deinen Gedanken, Sorgen und Ängsten. Lebe so, wie du es für richtig hälst und identifiziere dich nicht mit deinen Verhaltensmustern. Lebe im Hier und Jetzt.

Ich wünsche dir einen guten Start ins Wochenende – bleib achtsam!:-)

Herzlichst

Christopher

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