Schwierige Menschen und Situationen meistern – eine Geschichte aus dem Zen

Im heutigen Blogartikel geht es um eine Geschichte aus dem Zen-Buddhismus, aus der wir etwas Wichtiges lernen können.

Hier zunächst die Geschichte:


Zwei Mönche waren auf Wanderschaft. Eines Tages gelangen sie an das Ufer eines Flusses, welches durch eine Regenperiode aufgeweicht war.

Dort stand eine junge Frau in schönen, teuren Kleidern. Offenbar wollte sie den Fluss überqueren. Da das Wasser sehr tief war, hätte sie ihn nicht durchwaten können, ohne dabei ihre Kleider zu beschädigen.

Ohne zu zögern ging der ältere Mönch auf die Frau zu, hob sie auf seine Schultern und watete mit ihr durch das Wasser. Auf dem gegenüber liegenden Flussufer setzte er sie trockenen Fußes ab.

Nachdem der jüngere Mönch ebenfalls den Fluss überquert hatte, setzten die beiden ihre Wanderung fort.

Zwei Stunden später fing der jüngere an, den älteren Mönch zu kritisieren:
„Bist du dir im Klaren, dass du nicht korrekt gehandelt hast, denn wie du weißt, ist es uns untersagt, näheren Kontakt mit Frauen zu haben oder mit ihnen zu sprechen. Und du hast sie sogar berührt. Wieso hast du gegen diese Regel verstoßen?“

Der Mönch, der die Frau über den Fluss getragen hatte, hörte sich die Vorwürfe des anderen mit Bedacht an. Dann antwortete er ruhig:
„Ich habe die Frau vor zwei Stunden am Fluss abgesetzt. Wie erklärst du dir, dass du sie noch immer mit dir herumträgst?“


So ist es auch häufig in unserem Alltag: Wenn uns etwas widerfährt, was uns nicht passt – meist sind es Verletzungen, die wir durch Äußerungen oder Verhaltensweisen anderer Menschen erfahren – tragen wir diese Verletzungen mit uns herum.

Wir gehen in Gedanken den Vorfall, der vielleicht schon mehrere Stunden, ja manchmal sogar Tage oder Jahre zurückliegt, immer wieder durch. Wir können diese Gedanken oft nicht loslassen, fragen uns, wie Menschen sich so verhalten können, ob man selbst etwas falsch gemacht hat oder hätte anders machen können, was das für eine schreckliche Welt ist und so weiter…
Was haben wir letztendlich davon? Selbstgemachtes Leid. Man könnte mit etwas Abstand betrachtet behaupten, dass da etwas in uns ist, das Leiden will. Etwas, das sich an dem Schmerz, dem unguten Gefühl, was wir uns durch Gedanken selbst erschaffen, laben will.

Doch was können wir dagegen tun? Wir können uns bewusst machen, dass die Situation vorbei ist und es letztendlich nur Gedanken sind, die uns durch den Kopf gehen. Wir können diese Gedanken akzeptieren und beobachten, Ihnen so die Macht nehmen, das ungute Gefühl zu „befeuern“ und diesen Kreislauf, in dem wir unser eigenes leid erschaffen, unterbrechen. Wir können uns ins Hier und Jetzt zurückholen, wann immer wir bemerken, dass unser Kopfkino wieder anspringt oder wir bereits mitten in diesen Gedanken sind. Bewusstes Atmen, Konzentration auf den gegenwärtigen Zeitpunkt kann uns aus diesen Gedanken befreien. So wird ein vermeintlich negatives Erlebnis zur spirituellen Praxis, die uns dabei unterstützt, unser Bewusstsein wieder besser wahrzunehmen, wieder unbeschwerter und leichter zu leben. So kannst du das Leiden dazu benutzen, um weniger zu leiden. An sich paradox, weil das Leiden dann gar kein Leiden mehr ist.

Wenn du demnächst eine ähnliche Situation erfährst, erinnerst du dich vielleicht an die Geschichte der zwei Mönche und an die oben beschriebene Vorgehensweise. Dann kannst du mit dieser Situation anders umgehen und beim nächsten mal vielleicht noch besser mit ähnlichen Ereignissen fertig werden.

Ich wünsche dir wie immer viel Erfolg bei der Umsetzung und ein achtsames Wochenende.

Bis bald

Christopher

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