Schmerz und Leid in Bewusstsein verwandeln

Im heutigen Blogartikel soll es darum gehen, wie du vermeintlich schwierige, negative Situationen und auch Leid dazu benutzen kannst, bewusster, zufriedener, gelassener und paradoxerweise sogar freudiger durchs Leben zu kommen.

Bestimmte Situationen möchten wir aus unserem Leben am liebsten eliminieren. Doch ob wir wollen oder nicht, so lassen sich bestimmte Geschehnisse nicht vermeiden. Nicht selten treffen wir in unserem Alltag auf herausfordernde Menschen, die uns vielleicht schlecht behandeln, anfahren, grundlos stressen oder auch -bewusst oder unbewusst- versuchen, uns mit ihrer Negativität und ihrem Stress „anzustecken“.

Gerade aber solche Situationen und Menschen sind es, die uns besonders dazu verhelfen können, uns zu entwickeln und zu wachsen. Wenn wir nur unseren Blickwinkel auf diese Menschen und Situationen verändern, können sie uns ein hilfreiches „Mittel“ sein, um immer mehr bei uns selbst anzukommen und Verantwortung für unseren inneren Raum und unsere emotionale Befindlichkeit zu übernehmen.

Wie das funktionieren soll? Lasse es mich an einem einfachen Beispiel aus meinem eigenen Alltag erklären:

Ein gutes Beispiel für eine an sich belanglose, aber manchmal wirklich aufregende Alltagssituation, ist der Straßenverkehr. Vor einiger Zeit erlebte ich es, dass mir an einer Kreuzung die Vorfahrt genommen wurde. Sofort spürte ich Aggression und Wut in mir. Ich erinnere mich noch daran, wie ich innerlich kurz dachte: „o. k., du könntest die Situation einfach abhaken oder dich jetzt richtig aufregen.“ Nur einen Augenblick darauf gab ich mich völlig der Wut hin, obwohl ich an sich ja eigentlich eher der ruhige und gelassene Typ bin. Aber an diesem Tag waren bei mir gefühlt schon einige Dinge schief gelaufen und das hatte dann „das Fass zum überlaufen gebracht“.

Ich setzte also zur Verfolgung an und fuhr dem Wagen, der mir kurze Zeit zuvor die Vorfahrt genommen hatte, extrem dicht auf. Der Fahrer stieg nur wenige Sekunden darauf voll auf die Bremse, so dass ich ausweichen musste und auf die Spur des Gegenverkehrs gelang.

Im selben Augenblick beschleunigte der Fahrer des anderen Wagens wieder, so dass ich Mühe hatte, wieder auf die rechte Spur zu kommen und Gegenverkehr war auch noch in Sicht. Ich schaffte es so gerade eben noch, mit meinem kleinen und nicht mit allzu vielen PS gesegneten Auto den anderen, wesentlich schnelleren Wagen zu überholen und wieder auf die rechte Spur zu gelangen.

Ich spürte, wie mein Körper darauf reagierte. Aufregung, Adrenalin und eine gewisse Angst war ebenfalls spürbar, hätte die Situation doch auch schief laufen können und sogar ein Unfall war nicht ausgeschlossen gewesen. Ich beruhigte mich wieder etwas und sah im Rückspiegel, dass nun der andere Wagen mir nun quasi an der Stoßstange klebte. Kurz darauf scherte der Fahrer mit seinem Wagen aus und fuhr in einem Höllentempo an mir vorbei, während er mir noch einige wütende Blicke und Gesten zuwarf. Dann brauste jenseits aller Geschwindigkeitsbegrenzungen davon. Ich bog die nächste Straße rechts ab und war kurz darauf zu Hause.

Ich war innerlich komplett aufgewühlt. Früher hätte ich so eine Situation noch tagelang mit mir herumgeschleppt, und mich in Gedanken damit beschäftigt.

Doch durch das regelmäßige Achtsamkeitstraining war es möglich, diese Situation schnell hinter mir zu lassen und sogar etwas daraus zu lernen.

Ich sagte mir: „Kommt dies in einer ähnlichen Situation noch mal vor, so werde ich anders reagieren. Was habe ich davon gehabt, außer Ärger, Anspannung und Stress?!“

Und siehe da, einige Wochen später ergab sich erneut eine ähnliche Situation. Wieder wurde mir die Vorfahrt genommen und ich war wieder an dem Punkt angekommen, wo ich Wut und Ärger in mir wahrnehmen konnte. Ich trat innerlich einen Schritt zurück, beobachtete das Gefühl und stellte mir dann die Frage: „Will ich diesen Ärger jetzt haben, oder will ich ihn mir ersparen und nicht näher darauf eingehen?“

Ich entschied mich diesmal bewusst für die zweite Möglichkeit und ließ den Verkehrssünder ziehen. Ich merkte, wie der Ärger und die Wut schnell weniger wurden und innerhalb von Minuten verflogen waren. Ich hatte mir durch diese bewusste Entscheidung wahrscheinlich eine Menge Ärger, der sowieso unnötig gewesen wäre, erspart und konnte so gelassen durch den Tag gehen.

Dies ist nur ein kleines Beispiel aus dem doch manchmal so herausfordernden Alltag. Du kannst mit ein bisschen Übung diese Praxis auf nahezu alle vermeintlich negativen und schlechten Situationen, die du an sich nicht haben willst, aber die sich leider nicht immer vermeiden lassen, anwenden und sie so zu deiner Achtsamkeitspraxis werden lassen. So kannst du lernen, gelassener und stressfreien durch den Alltag zu kommen und dich besser abgrenzen zu können. Du wirst sehen, mit der Zeit wird es leichter und je größer die entsprechende Situation und Herausforderung, desto mehr werden deine Erfolge spürbar sein. Du wirst immer größere Schritte zu deiner inneren Mitte machen, so dass dich immer weniger Menschen und Situationen aus der Ruhe bringen können.

Ich wünsche dir viel Spaß beim ausprobieren. Vielleicht denkst du ja bei passender Gelegenheit an diesen Text und kannst das Gelesene dann praktisch anwenden.

Habe einen achtsames und gelassenes Wochenende!

Bis bald!

Christopher

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