Geduld ist eine Tugend

Ein junger Mann suchte einen Zen-Meister auf.

„Meister, wie lange wird es dauern, bis ich Erleuchtung erlangt habe?“

„Vielleicht zehn Jahre“, entgegnete der Meister. „Und wenn ich mich besonders anstrenge, wie lange dauert es dann?“, fragte der Schüler.

„In dem Fall kann es zwanzig Jahre dauern“, erwiderte der Meister.

„Ich nehme aber wirklich jede Härte auf mich. Ich will so schnell wie möglich ans Ziel gelangen“, beteuerte der junge Mann. „Dann“, erwiderte der Meister, „kann es bis zu vierzig Jahre dauern.“

Wenn wir geduldig und entspannt bleiben, stellen sich Dinge, Situationen und wünsche viel eher ein, als wenn wir ihnen krampfhaft nachzueifern versuchen. Ich selbst habe das auch in meiner Selbstständigkeit so erfahren. Es fällt mir zum Teil immer noch schwer, geduldig zu bleiben und nicht zu viel zu tun, aber es geht bereits besser. Wie immer, gehört natürlich hier auch Übung und Geduld dazu 😃

Geduld bedeutet zunächst einmal zu erkennen und zu akzeptieren, wenn wir ungeduldig sind. Nur dann haben wir die Möglichkeit, dass sich etwas verändert. Wenn ich meine eigene Ungeduld nicht bemerke, bin ich in diesem Verhaltensmuster gefangen. Ungeduld bedeutet, dass ich diesen Moment nicht will, ich will bereits im nächsten Moment sein. Damit versperre ich mir den Zugang zum Jetzt und zugleich den zu meinen Wünschen, auch wenn dies zunächst paradox erscheint.

Wenn ich den jetzigen Moment meine volle Aufmerksamkeit und Akzeptanz schenke, kann ich auch die Ziele, die ich mir gesteckt habe, effektiver und besser erreiche. Meine Taten sind dann kraftvoll, von hoher Qualität und achtsam. Zudem löst sich das Muster der Ungeduld nach und nach auf.

Wenn du also demnächst mal wieder dazu tendierst, die Geduld zu verlieren, erinnere dich an die Geschichte aus dem Zen-Buddhismus und erkennen, dass du dir nur selbst im Wege stehst, wenn du zu ungeduldig bist.